Regnet es oder regnet es nicht?

Es regnet! Ihr vermutet richtig, wir sind in Seattle – oder genauer in Kent, etwas außerhalb auf einem KOA-Platz. Schon die Fahrt gestern über den wunderschönen Snoqualmie Pass war begleitet von vielen Wolken und teilweise Regen. Der Campingplatz liegt zwar schön im Grünen, aber auch direkt an einer vielbefahrenen Straße. Die Plätze sind ziemlich klein und für die heutigen Riesen-Wohnmobile mit ihren Slideouts an allen Seiten (sogar hinten!) nicht mehr wirklich ausreichend. Wenn einer noch seine Markise ausgefahren hat, kann der nächste seinen Platz nicht mehr anfahren. Wir stehen im hinteren Teil, also zum Glück nichts mit „Schlaflos in Seattle“.

Snocalmie Pass

KOA Seattle (1)   KOA Seattle (2)   KOA Seattle (3)

KOA Seattle (4)   KOA Seattle (5)   KOA Seattle (6)

Aber das nicht so gute Wetter hat mich nicht sehr gestört, denn ich war high 😉 Wir fuhren nämlich über die Interstate 90, also Autobahn, und es waren Hundertschaften von LKW unterwegs!!! Da Uschi fuhr, konnte ich mich voll auf die Trucks konzentrieren und fiel von einem Begeisterungsrausch in den anderen. Am Ende der Fahrt hatte ich fast schon eine Überdosis 😉 Jetzt müsst ihr einen kleinen Exkurs über euch ergehen lassen (oder nach den Fotos weiterlesen).

Es gibt verschiedene Kategorien:
1) Die modernen LKW. Sehr stylisch, alles rund, gefällig, mit abgeflachten Kotflügeln und integrierten Scheinwerfern, relativ kleinen Kühlergittern, alles sozusagen aus einem Guss. Sieht chic aus, hat für mich aber kein Flair.

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2) Die etwas altmodischen, aber angepassten LKW. Sie haben noch fast die alten Schnauzenformen, aber nicht mehr ganz so eckig. Die Kotflügel sind noch rund, der Räderform nachempfunden, die Scheinwerfer sind halb integriert, halb aufgesetzt.

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3) Die alten, ursprünglichen LKW. Sie haben große, ganz eckige Schnauzen, riesige Kühlergrills, viel Chrom, schöne runde Kotflügel, die Scheinwerfer sind aufgesetzt und sehen teilweise aus wie von PKWs.

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Das Ganze variiert natürlich leicht je nach Hersteller/Fabrikat. Meine Favoriten sind die der Gruppe 3), wobei es aber auch in der 2. Gruppe traumhaft schöne Exemplare gibt. Begeisternd ist auch die Farbvielfalt! Oft sind die Kotflügel andersfarbig, z. B. mintfarbener LKW mit dunkelgrünen Kotflügeln, zum Verlieben! Und hier zum Vergleich ein LKW, wie er bei uns in Europa Standard ist, ein, wie ich ihn nenne, „amputierter Flachschnauzen-Truck“. Ich weiß gar nicht, wie ich zurück in Deutschland zurechtkommen soll! Hier könnt ihr noch einmal in mein Album schauen.

amputierter Flachschnauzen-Truck

So, jetzt geht es weiter mit Seattle. Wir waren heute (Donnerstag) in der City, gut erreichbar ab dem Campingplatz mit Bus und S-Bahn für $ 12,50 (Tageskarte, 2 Personen, ermäßigt für Rentner bzw. Menschen ab 55). Die Fahrt dauerte mit umsteigen und Wartezeit dabei ca. eine Stunde. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es hörte auf zu regnen, als wir starteten und fing wieder an, als wir auf dem Heimweg waren. Es war aber den ganzen Tag unangenehm schwül und sehr grau. Leider kein Fotowetter! Aber nicht nur deswegen ist unsere Ausbeute relativ gering. Seattle hat uns zwar insgesamt besser gefallen als Vancouver, aber begeistert hat auch diese Stadt uns nicht. Es ist überall ein wahnsinniger Autoverkehr (Fußgängerzonen gibt es ja nicht), es ist laut und wuselig, die Piers und der so sehr gerühmte Pike Place Market sind überlaufen von Touristen. Es hat alles nichts Ursprüngliches mehr, es gibt nichts Lauschiges, Besinnliches, Gemütliches. Nur Hektik und Buiseness und Kommerz. Nicht einmal die fliegenden toten Fische konnten uns begeistern! Wir hatten eine Markthalle wie von Spanien gewöhnt erwartet, nur größer. So war es sicher früher auch einmal, als die ersten Farmer den Market gründeten. Heute ist es ein großer, dreigeschossiger Gebäudekomplex mit vielen kleinen Verkaufsständen und abgeteilten Läden, in denen alles mögliche verkauft wird. Nur ganz oben auf dem Niveau der nächsthöheren Straße gibt es ein paar Gemüse- und Blumenstände. Da war die Markthalle auf Granville Island in Vancouver viel interessanter. Wir haben uns alles angesehen, was in unserem Stadtführer als sehenswert beschrieben war und es hat uns nichts wirklich gefallen. Chinatown ist ein uninteressanter Bezirk mit hässlichen Häuserblocks. Ein auf dem Stadtplan ausgewiesener Park (heißt so und wird als grüne Fläche dargestellt) ist in der Realität ein gepflasterter Platz mit ein paar Bäumen rundherum und sonst nichts und wird von Pennern bevölkert. Die Hochhäuser haben uns besser gefallen als die in Vancouver, weil sie nicht nur aus Glasfronten bestehen. Am beeindruckendsten war die Aussicht vom 73. Stockwerk des Columbia Centers, aber auch hier fehlten natürlich die Sonne und die Weitsicht, sodass wir leider keinen der die Stadt umgebenden Berge gesehen haben.

Seattle Chinatown (1)   Seattle Chinatown (2)   Seattle Chinatown (3)   Seattle Chinatown (4)

Seattle (01)   Seattle (02)   Seattle (03)   Seattle (04)   Seattle (05) Seattle (06)   Seattle (07)   Seattle (09)   Seattle (10)

Seattle (11)   Seattle (12)   Seattle (13)   Seattle (14)   Seattle (15)   Seattle (16)

Seattle (17)

Wir hatten es offen gelassen, ob wir noch ein zweites Mal reinfahren, haben aber nach ein paar Stunden beschlossen, dass wir uns das nicht noch einmal antun müssen. Vielleicht müsste man länger in solchen Städten sein, dort oder in der näheren Umgebung leben, um sie wirklich kennenlernen zu können. Andererseits waren wir schon in so vielen anderen Städten, teilweise auch nur kurz, die uns aber sofort begeistert haben. Das ist weder Vancouver noch Seattle gelungen. Die Lage beider Städte ist unbestritten traumhaft, wobei man in Seattle noch mehr von Wasser umgeben ist bzw. einfacheren Zugang dazu hat, aber die Städte an sich haben für uns keine Anziehungskraft und erwecken nicht den Wunsch, noch einmal wiederzukommen. Schade eigentlich!

Über Oscarlotta on tour

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2 Antworten zu Regnet es oder regnet es nicht?

  1. henning schreibt:

    Hallo,
    etwas spät der Kommentar…
    Ich war vor 20 Jahren beruflich (Microsoft) in Seattle und war öfter da, weil es eben nach Feierabend oder an Wochenenden, wenn wir keine Lust für weite Ausflüge hatten, unser Anlaufpunkt war. Die Stadt ist schöner, als es im ersten Moment aussieht. Ich muss meine Bilder mal in den Blog stellen und ein bisschen dazu schreiben. Ist eben nur schon so lange her. Ich habe aber bei euch schon mal einiges wieder erkannt, sehr schön!

    Gruß
    Henning

  2. Harald schreibt:

    Schade, vielleicht hat Euch doch das passende Wetter gefehlt. Weiter alles Gute für Euch und für uns die sehr interessanten Berichte. Danke!
    LG H.

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