KANADA – Wissenswertes und Resümee

041 S'Klallam Legends (02)

In Kanada, zumindest hier im Südwesten, ist die Hauptgruppe der Ureinwohner, First Nations genannt, sehr präsent. Nicht unbedingt im Straßenbild, aber durch ihre Kunst, die durch Totempfähle, Symbole, Schmuck immer wieder in’s Auge sticht. Kein Wunder, leben doch allein in British Columbia noch 198 von insgesamt etwa 600 Indianergruppierungen Kanadas (Anteil aller indigener Gruppen an kan. Gesamtbevölkerung ca. 3,8 %). Im Westen herrscht auch die größte kulturelle Vielfalt, die meisten der 50 (!) indigenen Sprachen haben hier ihren Ursprung. Im Gegensatz zu anderen Landesteilen haben die Stämme in BC niemals über Verträge mit der Regierung Land abgetreten, weswegen die Bestimmungen der Land- und Rohstoffeigentümerschaften schwierig sind. Seit den siebziger Jahren des 20. Jh. dürfen auch die First Nations den obersten Gerichtshof Kanadas anrufen und ihre Belange müssen umfassend berücksichtigt werden. Einige Stämme haben ihren Rechtsanspruch auf das Land, in dem ihre Vorfahren schon immer gelebt haben, gerichtlich durchgesetzt. Wir haben mehrfach erlebt, dass es Ferien-Resorts und Campingplätze gibt, die von First Nations betrieben werden (in USA darüberhinaus viele Casinos innerhalb ihrer Reservatsgebiete, da in den meisten Bundesstaaten Glücksspiel illegal ist). Aber noch immer haben ca. 80 % keinen Schulabschluss! In ihren Reservaten genießen sie zwar Sonderrechte und können ihre Kultur in allen Instanzen frei ausleben, doch leben viele von ihnen in Sozialhäusern, die sie schrittweise in monatlichen Raten abbezahlen können. Jedoch ist vor allem die Arbeitslosigkeit dafür verantwortlich, dass viele der Indianer die Häuser, in denen sie leben, niemals werden erwerben können. Demnach sehen sie diese nicht als ihr Eigentum an und lassen sie verwahrlosen. Darüber hinaus stellt der Alkohol- und Drogenmissbrauch innerhalb der Stammesgemeinschaften ein zentrales Problem dar. Wir haben erlebt, während wir auf einem Park and Ride-Parkplatz Frühstückspause machten, dass zwischen zwei direkt neben uns parkenden PKW Geld und Drogen durch die offenen Fenster getauscht wurden! Das wachsende allgemeine Interesse an allem, was „indianisch“ ist, könnte eine Chance für die Zukunft sein.

Kanada 1   Kanada 2   unsere Route in Kanada (1)   unsere Route in Kanada (2)

Kanada ist ein riesiges, menschenleeres Land mit unfassbaren Mengen an Wäldern, Bergen und Seen (70 % Naturgebiete, mehr als die Hälfte der Wälder sind Urwald)! „Land“ scheint in Anbetracht der Dimensionen ein unangemessener Begriff zu sein. Seine Gesamtgröße entspricht fast der von ganz Europa. Nur Russland ist noch größer! Insgesamt leben hier nur 32,7 Mio. Menschen und neun Zehntel der Gesamtfläche ist nahezu unbewohnt. Die bewohnte Fläche ist etwa dreimal so groß wie Deutschland, es gibt aber weniger als die Hälfte Einwohner! Die Bevölkerungsdichte ist zwar mit nur 3,35 Einwohnern pro Quadratkilometer eine der geringsten der Welt, jedoch lebt mehr als 70 % der Bevölkerung in den 30 größten Städten und ihren Ballungsräumen, es relativiert sich also ziemlich. Der bewohnte Anteil des Landes erstreckt sich hauptsächlich auf einen bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Der nördliche Teil ist unterteilt in drei sehr spärlich bevölkerte Territorien, der südliche in 10 Provinzen mit weitgehend selbstständiger Verwaltung. British Columbia ist die drittgrößte, nimmt ca. 10 % der Gesamtfläche ein und es leben dort mit 4,4 Mio. Menschen 13,4 % der gesamten Einwohnerzahl. Zwei Drittel der Provinz besteht aus Wald mit den höchsten und ältesten Bäumen ganz Kanadas! Die Pazifikküste und Vancouver Island haben während des ganzen Jahres das mildeste Wetter in Kanada, die Temperaturen fallen fast nie unter den Gefrierpunkt und Schnee gibt es selten. Das Frühjahr beginnt früh und hält bis zu vier Monate an. Aber Vancouver hat wegen der Berge auch viel Niederschlag (1.500 mm pro Jahr). Das haben wir zu Beginn unserer Reise ja erlebt. Ansonsten hatten wir aber die ganze Zeit bisher wunderbares Wetter, keinen Regen, die Temperaturen fast immer im „Ingrid-Wohlfühlbereich“ bis max. 25°C. Es gibt immer etwas Wind, der dafür sorgt, dass es in der Sonne gut auszuhalten ist. Zu warm war es fast nie, im Schatten dann immer noch herrlich!

Die kanadische Wirtschaft ist eng mit der US-Wirtschaft verflochten, 86 % der kanadischen Exporte gehen in die USA und 61 % der Importe werden aus den USA bezogen. Kanada gehört zu den größten Getreideexporteuren der Welt. Hauptsächlich werden Weizen, Hafer, Gerste, Raps und Leinsamen angebaut. Am Atlantik wachsen Obst‑ und Gemüsekulturen. Vieh‑ und Milchwirtschaft liefern etwa die Hälfte aller Agrarerträge. Der reichen Fischvorkommen des Pazifiks und des Atlantiks bilden die Grundlage der kanadischen Fischereiwirtschaft. Lachs, Kabeljau, Heilbutt, Hummer und Hering werden exportiert. Schwerpunktindustrien sind der Automobil‑ und Flugzeugbau, die Metallindustrie, die Nahrungsmittelindustrie und die Holz‑ und Papierverarbeitung. Kanada ist der weltweit größte Produzent von Holzschliff, Zellstoff, Papier und Pappe.

Kanada hat mit 243.042 Kilometern die längste Küstenlinie der Welt und tausende von vorgelagerten Inseln! Es gibt rund 2 Millionen Seen, die 7,6 % seiner Landmasse ausmachen. Allein die Binnengewässer umfassen zusammen mehr als das Doppelte der Fläche Deutschlands. Kanada verfügt über ein riesiges Potenzial an Wasserkraft, die zwei Drittel zur Energiegewinnung beiträgt.

Umweltschutz ist ein wichtiges Thema, gehört doch der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf zum weltweit höchsten. Die seit 1885 gegründeten inzwischen über 40 Nationalparks (rund 2 % der Fläche Kanadas) sollen in der jeweiligen Region die Wildnis so erhalten, wie sie vor dem Eintreffen der Europäer existierte. Weitere 20 Parks sollen noch errichtet werden. Darüberhinaus gibt es noch mehr als 1000 Provinzparks und Naturreservate.

Als Staatsform ist Kanada eine parlamentarische Monarchie mit einer nicht umfassenden Unabhängigkeit von Großbritannien seit 1867. Erst seit 1982 verzichtet das britische Parlament vollständig auf sein Gesetzgebungsrecht für Kanada. Da Kanada Mitglied im British Commonwealth of Nations ist, ist offizielles Staatsoberhaupt Queen Elisabeth II, vertreten durch einen Generalgouverneur. Regierungschef ist der kanadische Premierminister. In Pedder Bay wurde uns im Yachthafen von uns völlig unbekannten Kanadiern voller Freude mitgeteilt, dass Kate ihr Baby bekommen habe! Im weiteren Gespräch konnte ein Mann einen deutschen Großvater anführen und eine Frau einen holländischen. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist europäischer Abstammung, die Einwanderer kamen hauptsächlich aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Deutschland und den Niederlanden. In der jüngeren Vergangenheit hat die Zuwanderung aus dem asiatischen Raum stark zugenommen, in Vancouver beträgt der Bevölkerungsanteil schon über 57 Prozent!

unser Nummernschild

Ob uns Kanada gefallen hat? Eindeutig ja! Wir haben uns überall wohlgefühlt, die Menschen sind sehr freundlich und offen, man bekommt sehr schnell Kontakt. Sprachlich war es für Uschi einfacher als für mich, reden geht ganz gut, aber ich verstehe oft nur der Spur nach und oft auch nur Bahnhof! Die wechselnden Landschaftsformen, die unterschiedlichen Standards der Campingplätze, alles war genau so, wie es gerade war, gut. Die Internetbedingungen hätten besser sein können, da hatte ich mehr erwartet. Wir wären gerne bereit gewesen, für ein einigermaßen schnelles Internet zu bezahlen, wenn wir es dann in unserem Mobil hätten nutzen können. Vancouver Island hat uns erst nach und nach in seinen Bann gezogen, es ist sehr ambivalent. In den Ballungszentren zu viele Geschäfte, Firmen, Fast-Food-Lokale, zu viele Autos, zu geschäftig das Ganze, aber nicht zu vermeiden wegen der nicht vorhandenen Alternativstraßen. Wenige Kilometer außerhalb wunderbare, einsame Buchten, Strände, Wälder. Und überall Wasser! Wir sind schon so anspruchsvoll geworden, dass ein Stellplatz ohne Blick auf einen Fjord, einen See, das Meer oder auch nur ein kleines Flüsschen nur noch im Notfall infrage kommt 😉 Die Pazifikseite der Insel ist (logischerweise) rauer, niederschlagsreicher und oft mit Regenwald versehen. Da es aufgrund der geologischen Beschaffenheit nur sehr wenige Straßen gibt, gibt es auch nur genauso wenige Möglichkeiten, die Küste zu erreichen. Die andere Seite ist lieblicher, aber ebenfalls nur teilweise erschlossen, ab Campbell River nördlich ist es fast nicht mehr möglich, an die Küste zu kommen. Wenn man die Insel richtig erkunden wollte, bräuchte man ein kleines Allradfahrzeug und/oder ein Kanu/Kayak/Motorboot. Wer von einem der Nationalpark-Campgrounds aus per Mountainbike, zu Fuß oder auf dem Wasser unterwegs sein kann, der ist richtig hier. Wer auch nur ansatzweise ein Faible für Wassersport hat, dem geht hier (generell im Westen Nordamerikas) das Herz auf! Wir fanden an der Ost-/Inlandsküste besonders schön, dass man immer die gegenüberliegenden Seite der Strait of Georgia, also das kanadische Festland mit seinen schneebedeckten Bergen, sehen kann. Von Victoria aus oder vom südlichen Streifen an der Juan de Fuca Strait sieht man die Berge der Olympic Peninsula, auch schneebedeckt. An der Pazifikküste sieht man Pazifik, sonst nichts.

10 Campingplatz

Ob wir noch einmal hierher kommen möchten? Wir möchten am liebsten gar nicht erst weg!

Über Oscarlotta on tour

Wer neugierig ist / more about us: schaut bitte in die rechte Seitenleiste / have a look at the blog sidebar, please - ODER / OR - schaut bei / have a look at youtube: https://www.youtube.com/watch?v=rJGTeAnNuPA (wir tauchen ab Minute 8:34 auf / you'll see us in minute 8:34)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu KANADA – Wissenswertes und Resümee

  1. Helmut und Hildegard schreibt:

    Wir sind begeistert von eurem Abschlußbericht über Kanada. Sehr interessant. Schön, dass ihr alles so genießen könnt.
    Bei uns ist große Hitze angesagt. 35 Grad. Es reicht. Man kann nicht viel unternehmen.
    Euch weiterhin „gute Fahrt“.
    Liebe Grüße aus Nordhorn

  2. Hildegard schreibt:

    Hallo ihr Lieben!
    Hab mir gerade das Thunderbird-Album angeschaut. Die NR.16 als Mitbringsel für unseren Garten wäre super Klasse. Ich verfolge natürlich eure Reise und bin begeistert. (Rudhard zur Zeit nur mit einem Auge – OP – und ein wenig Gemeckere)
    Wir wünschen euch weiter eine schöne Reise
    Hildegard und Rudhard

    • blogadmin schreibt:

      Hallo Hildegard!
      Wir haben doch so viele Skizzen mitgeliefert, da kann Rudhard doch selber schnitzen 😉
      Liebe Grüße zurück und gute Besserung für MacRudhard,
      die Hippies

Wir freuen uns über Ihren Kommentar! :-) HINWEIS: Wenn Sie hier kommentieren, wird Ihre gehashte (= verschlüsselte und für den Empfänger nicht reproduzierbare eMail-Adresse) und die IP-Adresse an Auttomatic geschickt, damit ggbf. Ihr Gravatar (persönliches Avatar-Bild) angezeigt werden kann. WordPress.com ist ein Hosting-Service der Automattic Inc., dem Unternehmen des WordPress-Gründers Matt Mullenweg. Die Angabe Ihrer eMail-Adresse ist keine Voraussetzung zur Abgabe eines Kommentars! Wenn Sie mit diesen Bedingungen nicht einverstanden sind, sollten Sie auf die Abgabe eines Kommentars verzichten. :-(

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..