Frühstück am Schlund der Hölle

Erstmals im März 1980 begann der Mount St. Helens nach 123 Jahren Ruhe wieder aktiv zu werden. Straßen wurden gesperrt und Anwohner evakuiert, Wandern und Fischen verboten. Im April setzten sich die Aktivitäten fort, kleinere Erschütterungen und Dampfaustritte sowie das allmähliche Anschwellen der Nordflanke waren deutliche Anzeichen, dass ein Ausbruch bevorstand. Am Morgen des 18. Mai erschütterte dann ein Erdbeben der Stärke 5,1 den Vulkan und eine gewaltige Explosion riss einen großen Teil der Nordflanke und den Gipfel weg, eine Glutwolke aus Asche und Gas zerstörte die gesamte Umgebung im Umkreis von 500 Quadratkilometern, der unterhalb des Gipfels gelegene Spirit Lake wurde ebenfalls ein Opfer und seine auslaufenden Wassermassen plus Schmelzwasser von Gletschern und Schnee rissen Bäume, Häuser, Straßen und Brücken mit sich. Schlamm- und Schuttströme von bis zu 120 km/h und Temperaturen um 100°C trugen ebenfalls zur Zerstörung bei. Mehrere Lavaströme von bis zu 600°C ergossen sich mit einer Geschwindigkeit von 400 km/h über eine Breite von 25 km! Die Höhe des Berges reduzierte sich von 2950 m auf 2550. Eine Aschewolke schoss über 25 km in die Höhe und verdunkelte bis in 400 km Entfernung die Tageshelligkeit. Es muss ein unvorstellbares Inferno gewesen sein und es grenzt fast an ein Wunder, dass nur 57 Menschen ums Leben kamen. Die Zerstörungen durch Lavaströme und Ascheregen setzten sich bis in den August fort! In den folgenden Jahren dauerte die vulkanische Aktivität an, es gab immer wieder kleinere Erdbeben und Explosionen mit Dampf- und Ascheausstößen. Erst 2008 wurde der Vulkan als „ruhend“ eingestuft. Weitere Infos für Interessierte:

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Ausbruch_des_Mount_St._Helens_1980

http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/166349/index.html

http://www.vulkane.net/vulkane/helens/helens.html

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Aber wenn man nun annimmt, dass es keine größere Zerstörung mehr geben kann, so täuscht man sich. In dem Informations-Center waren Modelle aufgebaut von einigen Ausbrüchen verschiedener Vulkane. Das kleinste Modell war der Ausbruch des Mount St. Helens! Im Vergleich zum Ascheausstoß beim Ausbruch des Mount Mazama in Oregon (das größte Modell auf den Fotos) vor ca. 7000 Jahren, bei dem der Crater Lake entstand, nicht der Rede wert. Der Ausbruch muss über 60 mal so stark gewesen sein, hat man errechnet. Absolut unvollstellbar!!! Der kreisrunde, tiefblaue Crater Lake hat einen Durchmesser von 9 km und ist 590 (!) m tief.

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Wir trauten uns ganz nah an den Schlund der Hölle! Von Castle Rock aus, wo wir von Sonntag bis Dienstag auf einem neu angelegten KOA Kampground (keine Züge und gutes Internet!) Zwischenstation machten, sind es nur knapp 80 km bis zum höchstgelegenen Endpunkt der Straße am Berg. Die gesamte Region wird seit dem Ausbruch renaturiert und es erinnern höchstens die immer noch kahlen Berggipfel mit vielen umgefallenen und wie mit Sandstrahlgebläse blankgeputzten Baumstämmen in der unmittelbaren Umgebung des Berges an die Katrastrophe. Allerdings sollen in den zwei großen, beim Ausbruch neuentstandenen, Seen auch jetzt nach noch tausende Baumstämme schwimmen. So furchtbar die ganze Angelegenheit im Allgemeinen war, so ist sie im Besonderen ein absoluter Glücksfall für die Biologen und Geologen, die ein nicht endenwollendes Forschungsprojekt haben. Man hatte z. B. damit gerechnet, dass es viel länger dauern würde, bis sich wieder Leben ansiedelt in dieser so stark verletzten Region. Aber schon nach einer Woche brach die erste Lupine durch die Ascheschicht! Die ersten Tiere waren nordamerikanische Taschenratten, die den Boden durchwühlen und so dafür sorgten, dass weitere Pflanzen keimen und wachsen konnten. So hat sich im Verlauf der vergangenen 33 Jahre die Gegend bis kurz vor den Gipfel des Vulkans wieder weitgehendst regeneriert. Die Bäume sind zwar noch relativ niedrig, aber ansonsten findet man keine unmittelbar in’s Auge springenden Schäden. Erst wenn man bis auf wenige Kilometer herangekommen ist, wird erkennbar, welche Naturgewalt dort gewütet hat! Vom Johnston Ridge Observatory hat man einen beeindruckenden Blick auf die zerstörte Umgebung und den Krater, der hier nur noch ca. 10 km entfernt ist. Wir nahmen unser Frühstück also unter sehr außergewöhnlichen Umständen ein! Als ich mir in Deutschland Gedanken darüber machte, dass wir uns in dieser potenziell gefährlichen Gegend aufhalten würden, war ich schon ein wenig hin- und hergerissen. Aber hier in der konkreten „Gefahr“ ist das irgendwie nicht mehr relevant. Wahrscheinlich ist das der notwendige Verdrängungsmechanismus, ohne den hier niemand leben könnte.

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Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, noch am Tag vorher war der Berg in Wolken gehüllt. Man kann über eine Live-Webcam nachschauen und in Verbindung mit der Wettervorhersage war für uns klar, dass wir möglichst früh ganz nach oben fahren und das Visitor Center im Tal im Anschluss besuchen sollten. Das erwies sich als richtig, schon bei der Rückfahrt hüllte sich der Gipfel wieder in Wolken. Von einem View Point auf halber Höhe hatten wir dann sogar noch das ganz seltene Glück, den Mount St. Helens UND den Mount Rainier gleichzeitig zu sehen!

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Über Oscarlotta on tour

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2 Antworten zu Frühstück am Schlund der Hölle

  1. henning schreibt:

    Hallo,

    ich war 1994 am Mt. St. Helens und habe den Spirit Lake gesehen, der zu gut einem Drittel mit schwimmenden Baumstämmen bedeckt war. Ein Parkranger dort hat das ziemlich anschaulich erklärt:
    Zuerst hat die Druckwelle der Explosion mit annähernd Schallgeschwindigkeit alle Bäume wie Streichhölzer umgeknickt.
    Dann hat die enorme Hitze alle Zweige und Blätter verbrannt und noch bevor das ganze Holz verbrennen konnte, ist mit 400km/h der „pyroclastic flow“ in den See geschossen und hat einen Tsunami ausgelöst, der die abgeknickten Bäume von den Berghängen ins Wasser gerissen hat.
    Ich muss mal den USA-Bericht machen, es wird Zeit!

    Gruß
    Henning

  2. Harald schreibt:

    Danke für den eindrucksvollen Bericht über den Mount St. Helens. Ich war vor 1980 etwas länger in der Gegend und kann mir die Macht des Ausbruchs gar nicht vorstellen. Euer Bericht macht mir erst klar, was da damals passiert ist. Danke für die Bilder und diesen Bericht!
    LG Harald

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